Zug der Erinnerung im Bistum Aachen
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Allgemeine Informationen

Der "Zug der Erinnerung" ist ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen, die ein Zeichen gegen Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus und die extreme Rechte setzen wollen. Deswegen fährt der Zug insbesondere für Jugendliche, die in den Opfern der NS-Deportationen Menschen gleichen Alters erkennen. Auch Zehntausende Besucher der mittleren und älteren Generation sind zum "Zug der Erinnerung" auf die Bahnhöfe gekommen. Seine Ausstellung grenzt keine Altersgruppe aus. In Begleitung Erwachsener sind auch Kinder vor dem schulfähigen Alter willkommen.

Für die emotionale Annäherung an die Opfer stellt der Zug einen Handlungsort zur Verfügung, den Bahnhof. Dieser Ort ist mit dem Ort des früheren Deportationsgeschehens oft identisch. Zugleich ist der Bahnhof aus alltäglichen Gegenwartserlebnissen vertraut. Diese Übereinstimmung ermöglicht es einer breiten Öffentlichkeit, sich ohne Furcht vor kulturellen Barrieren der Vergangenheit zu stellen. Bahnhof und Zug sind deswegen keine beliebigen Ausstellungsorte, sondern gehören wesentlich zum Ereignisrahmen und zum didaktischen Konzept.

Die Erinnerung

Wieviele der deportierten Kinder und Jugendlichen überlebten, ist bis heute unerforscht. Umfassende Deportationslisten existieren nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche deportiert wurden. Zusätzlich zu den Kindern aus Deutschland waren es Kinder aus ganz Europa, die in die Todeszüge getrieben wurden – aus Frankreich, Holland, Belgien, Italien, Polen, Norwegen, Jugoslawien, Griechenland, Österreich, Ungarn, aus den baltischen Ländern, aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei. Nur wenigen gelang es, letzte Briefe aus den "Reichsbahn"-Waggons auf die Gleise zu werfen, bevor die Züge die Lager erreichten. In den überfüllten Wagen hofften die Kinder auf Hilfe. Aber auf den Abstellgleisen und Bahnhöfen unserer Städte schritt niemand ein. Fast keiner der Täter wurde je zur Rechenschaft gezogen. In den Ministerien und Polizeidienststellen, in den Bahndirektionen und Stellwerken arbeiteten sie nach 1945 ungestraft weiter.

In der Nachkriegsöffentlichkeit wurde dem Schicksal der Kinder keine hervorgehobene Bedeutung beigemessen. Ihr Tod ging in der Trauer um zahllose weitere Opfergruppen unter. Diese Wahrnehmung lässt außer acht, dass der Massenmord an den Kindern und Jugendlichen rassistische Denkmuster in besonderer Weise enthüllt: Sie zielen nicht nur auf den Tod angeblicher Feinde, deren niedrige Eigenschaften ausgemerzt werden sollen. In Gestalt der Kinder wird das menschliche Leben an seinem Ursprung verfolgt. Rassismus und Antisemitismus meinen unsere Zivilisation.

Vor den Fotos der lachenden Kinder, die nicht zurückkehrten, kommt es im "Zug der Erinnerung" immer wieder zu starken Gefühlsäußerungen. Diese Empathie ist Ausdruck der zivilisatorischen Kraft, die Erinnerung vermitteln kann. Die Opfer befreit sie aus dem Sumpf des Vergessens und gibt ihnen einen Teil ihrer Identität zurück.

 
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